wohnen: Tiny House

 

Im Schnitt wohnen die Deutschen auf ca. 46,5 qm pro Person. Wenn man sich in den Wohnungen umschaut, sitzt man gemeinsam am Esstisch, chillt auf dem Sofa oder die Kinder liegen im Bett zwischen ihren Eltern. Warum also brauchen wir so viel Platz? Geht es nicht eine Nummer kleiner? Am Konzept der Tiny Houses wollen wir uns mit diesen Fragen auseinandersetzen. Dabei werden wir uns nicht auf den Flächenbedarf beschränken, sondern auch Fragen des Energieverbrauchs und seiner Minderung ins Zentrum unserer Diskussionen, Workshops und Arbeiten stellen. Die Ergebnisse sind für Tiny Houses, Wohnungen, Ein- und Mehrfamilienhäuser gleichermaßen von Interesse.

Was soll passieren?

Wir wollen gemeinsam mit Euch an einem Tiny House bauen und experimentieren, energieeffiziente Techniken erproben, in Kreisläufen denken und uns in “small is beautiful” versuchen. Wir bieten zahlreiche Möglichkeiten sich am Tiny House Projekt zu beteiligen. Außer Begeisterung sind keine Fähigkeiten gefordert. Wir lernen beim gemeinsamen Machen.

Hier findet ihr die nächsten Termine für unsere Energiewerkstätten. Darüber hinaus findet jeweils am 3. Mittwoch im Monat von 18.30 bis 20.00 ein regelmäßiger Tiny House-Treff statt. Kommt gerne vorbei.

Energiewerkstätten (von der Wärmedämmung bis zum Wasserkreislauf) wie besprochen und terminiert hier einfügen.

Was ist passiert?

In der ersten „Energiewerkstatt“ des von der innogy Stiftung geförderten e:lab in der Dortmunder „Dezentrale“ ging es 10. und 11. März ganz und gar nicht um Winzigkeiten. Im Gegenteil. Das Treffen zum Thema Tiny House, autarkem Leben und neuer Unangeschlossenheit war mit rund 60 Besuchern aus ganz Deutschland das bisher größte hierzulande. Und das lag auch an Referentin Theresa Steininger aus Österreich, die mit ihrem autarken „Wohnwagon“ im mitteleuropäischen Energiewenderaum einen Meilenstein gesetzt hat.

Die Zahl der Anmeldungen ist förmlich explodiert, sagt Arne Riepe, e:lab-Mitarbeiter und Projektentwickler der Dortmunder wert-voll gGmbh: „Wir dachten, da kommt eine Handvoll Leute und mussten uns dann aber ziemlich schnell nach größeren Räumlichkeiten umsehen. Gut, dass es die ‚Werkhalle‘ gibt.“ Und in der Werkhalle der FH Dortmund auf dem Union-Gewerbehof sieht es am Samstag kurz vor der Mittagspause sehr nach Arbeit aus. In Gruppen haben die Tiny House-Workshopper ihre sprudelnden Ideen in ein furioses Flipchart-Finale verwandelt.

Bilder: © Frank Vinken | dwb für die innogy Stiftung

 Auf allen Tischen stapeln sich Skizzen, Notizen und Randbemerkungen zum Selbstbau eines möglichst mobilen, möglichst kleinen und vor allem möglichst energieautarken und ressourcenschonenden Wohnraums, der bezahlbar ist. Auf Laptop-Bildschirmen drehen sich erste 3D-Entwürfe. Die ersten Knackpunkte und Stolpersteine sind dokumentiert und diskutiert. Denn „tiny“ kann ganz schön „tricky“ sein, wenn es beim Eigenbau um die Einhaltung baurechtlicher Normen und Regeln geht, die trotz angestrebter Unabhängigkeit von öffentlichen Stromnetzen und Wasserleitungen eingehalten werden wollen.

 Nach der Mittagspause mit Lunchpaket aus dem Hofcafé im Union-Gewerbehof an der Huckarder Straße (ein Stückchen hinterm „U“), lässt sich die Energiewerkstatt #1 dann von Theresa Steininger in das Wissen um autarke Haustechnik einweihen. Mit nunmehr 20 verkauften Exemplaren ihres selbstversorgenden „Wohnwagon“ zum Preis von „40.000 bis 90.000 Euro je nach Autarkiegrad“ ist die entspannte Wienerin aus dem Gröbsten ‘raus.

 Sie hat die Kenngrößen von Solaranlagen, Trockentrenntoiletten, geschlossenen Wasser- und Wärmekreisläufen im Kopf und belegt mit verblüffend einfachen Beispielen, was mit dem Begriff „Alte Techniken anwenden“ in ihrer Autarkie-Vorlesung nach der Mittagspause gemeint ist. „Himmelbetten sind eine Wärmetechnik“, sagt Theresa Steininger: „Ein probates Verfahren, die aufsteigende Körperwärme im Schlafbereich zu halten.“

Bilder: © Frank Vinken | dwb für die innogy Stiftung

Für die e:Laboranten Arne Riepe, Hanna Yabroudi und Patrick Jaruschowitz, Fraunhofer-Doktorand für additive Technologie, ist der Dortmunder Workshop Auftakt für ein weit größeres Projekt. Riepe: „Wir werden ganz sicher ein Tiny House bauen, entwickeln gerade eine Experimentalplattform dafür und suchen einen Werkstattraum mit Öffentlichkeitswirkung. Wohnen macht rund 50 Prozent des Energieverbrauchs aus, und das Tiny House ist ein Kristallisationspunkt für alle unsere Energiewendethemen im e:lab – von der Wärmedämmung über Aquaponik bis zur Dachbegrünung.“

Ohne Internet wäre auch die Tiny House-Bewegung nicht in so kurzer Zeit zu weltweiter Bedeutung gekommen. Das weiß auch Theresa Steininger. Als Marketingexpertin nutzt sie das Netz virtuos, greift auch schon mal informativ in die Forendiskussionen von Onlinereportagen über den autarken „Wohnwagon“ ein. Schauen Sie ‘mal hinter den Link. Das ist sehr lesenswert! Und in der Mittagspause postet die Wienerin: „Wow! 60 Leute bei unserem 2-tägigen Tiny House Workshop im schönen Dortmund in Kooperation mit dem e:lab. Und so schön bunte Ideen – Tiny Disco, Modulare Tiny Houses, DIY-Sets . . . Freut uns, wenn wir mit unserem Wissen da helfen können, die Dinge ins Rolle zu bekommen!“

Bilder: © Frank Vinken | dwb für die innogy Stiftung