Darf man die titelgebende Frage zur Energiewerkstatt #5 in Zeiten der Energieeinsparverordnung (EnEV) überhaupt stellen? In ihrer aktuellen Fassung kennt die Verordnung nur wenige Ausnahmen und legt auch für bestehende und kleine (> 50 qm Nutzfläche) Gebäude die Messlatte bzw. Dämmschichtstärke sehr hoch. Doch der kleine wissenschaftliche Anarchist in uns, lässt es sich nicht nehmen, in Regularien gegossene Polymerschaumgläubigkeit kritisch zu hinterfragen. Der brennende Grenfell-Tower, Schimmel in gedämmten Wohnungen und zahlreiche hässliche Fassaden in unseren Städten sind Anlass genug.

Ok, dass mit der “Polymerschaumgläubigkeit” ist nicht ganz fair. Auch biobasierte Dämmungen bspw. aus Jute oder Hanf sind brennbar (genauer: schwer entflammbar) und sie dämmen auch nicht besser. Die Polymerschäume erreichen heute, abgesehen von Vakuumisolationspanelen, die besten Dämmwerte. Doch wenn man ein Haus besitzt (egal ob tiny oder gigantisch) ist der Wärmeverlust ja nicht das Einzige was einen bewegt. Irgendwie sollte auch die Feuchte raus, wenn sie im Innern bleibt, kommt der Schimmel, wenn sie sich in der Dämmung sammelt, helfen all die schön berechneten Dämmwerte nichts, denn nasse Dämmungen, besonders solche aus Mineralwolle, dämmen dann eben nicht wie erhofft.

Wer gegen Feuchte und Schimmel lüftet, was vor allem bei kleinem Wohnraum pro Bewohner auch keine dumme Idee ist, muss allerdings wissen, dass dann die Wärmeverluste durch Lüftung, sehr schnell sehr groß werden, so dass man sich die Dämmung auch gleich hätte sparen können. Ein Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung könnte hier eine Option sein.

Fühlt man sich der ästhetischen Elite zugehörig, hätte man vermutlich gern eine mineralische Dämmung, das klingt – zumindest für mich – irgendwie gleichzeitig frisch und beständig. Auf den alkalischen Materialien fühlt sich auch der Schimmelpilz nicht wirklich wohl. Doch sie sind schwer und daher nichts für Tiny Häuser und den großen Traum von grenzenloser Freiheit. Wobei Letzteres natürlich voraussetzt, dass man über eine Zugmaschine verfügt, die diese verdammten 3,5 Tonnen auch ziehen kann. Ist man ein solch stolzer Besitzer, hat man vermulich andere Probleme, hohe Spritzkosten und Fahrverbote für Diesel zum Beispiel.

Wie dem auch sei, für die Sesshaften und Urbanen unter uns, könnte ein mineralische Dämmung vielleicht kombiniert aus Außen- und Innendämmung eine attraktive Option sein. Innendämmung? Ist das nicht die, wo es immer schimmelt? Wenn sie kappillakaktiv ist (Wasser aufnimmt und auch wieder abgibt), könnte es gehen. Vorausgesetzt ihr erklärt Euren Kindern, Mietern oder dämmtechnisch weniger versierten Lebenspartnern, dass ab sofort Dispersionsfarben und Bilder an den Wänden zu einer fristlosen Kündigung von Vormundschaft, Mietverhältnis oder Partnerschaft führen. Für Hardliner vielleicht ein Option…

Ok, wie er seht jedes Pro hat auch ein Contra. Es gilt für Euren Fall jeweils die beste Lösung zu finden.

Der Abend war wie immer schön. Gut, dass ihr da wart und Dank an Andreas Sengespeick von Fraunhofer UMSICHT, der uns kompetent ins Thema eingeführt hat. Bleibt uns treu.

 

 

 

 

 

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